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Ambossdrucke - C. G. Große, Doberlug

(c) C.G. Goße
(c) C.G. Goße 

Biografie
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1964 geboren in Finsterwalde
1981-84  Abendstudium für Malerei/Grafik in Cottbus
1983 Abitur
1983-84 Forstfacharbeiterin
1984-88

Studium für Malerei/Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden 

1988 Geburt des Sohnes Franz
1991 Diplom Malerei/Grafik
1991-93

Meisterschülerin an der HfBK Dresden bei Prof. G. Horlbeck

1993-94 Philip-Morris-Kunstförderung
1994-95

DAAD-Stipendium Postgraduales Studium am Royal College of Art, London bei Prof. Tim Mara, Abteilung Druckgrafik

1995 

seit September freischaffend in Dresden

1995-96   Beschäftigung mit Computergrafik 
1997

Künstler in Residence, Herbert Art Gallery, Coventry, Vorträge an der University of Art & Design über das 1995 entwickelte Ambossdruckverfahren

1998

Malerei auf Keramikfliesen und Sanitär in Meißen, Gefäße in Cottbus und Crinitz,
lebt und arbeitet in Doberlug, Dresden und Berlin, Vorträge und Workshops an der University of Art&Design, Coventry, GB

1999 

Aufenthaltsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop Internationales Windradsymposium in der Sächsischen Schweiz Um- und Ausbau des Atelierhauses in Doberlug 

2000

"Grenzfahrt 21" Internationales Bahnprojekt auf der Bahnlinie zwischen Chemnitz und Karlovy Vary,  seit 2001 Intensive Beschäftigung mit Druckgrafik und Malerei in eigener Werkstatt

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Einzelausstellungen (Auswahl)
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1991 Aula und Flur der Hochschule für Bildende Künste, Dresden
1992 Sächsischer Landtag, Dresden
Tabakkontor Yenidze, Dresden
1993 Klosterkirche, Doberlug
1994 Galerie Mitte, Dresden
1995 Galerie Sillack, Dresden
Galerie Eva Blobel, Cottbus
1996 Galerie Haus 23, Cottbus
1997 Galerie Firma Brandt, Finsterwalde
1998  Landtag Stuttgart, Abgeordnetenhaus
1999 Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte, Moritzburg
Börse, Coswig 
2000 Schloß, Doberlug
Bahnhof, Zwickau
2001 Kreative Werkstatt Dresden e.V.
d,print, Cottbus
Bibliothek, Herzberg
Weißer Salon und Atelier, Doberlug
Kunst Raum Saite, Dresden
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Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
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1990 Musee 2000, Luxembourg
1991 Galerie Mitte, Dresden
Rathaus, Dresden
1993 Sächsische Aufbaubank, Dresden Galerie Rähnitzgasse, Dresden
1995 Galerie Rähnitzgasse, Dresden
Galerie Flowers East, London
seit 1996  Kunstmarkt, Dresden
1997 Galerie Mitte, Dresden
Blaue Fabrik, Dresden
Herbert Art Gallery, Coventry (GB)
1998 Kulturrathaus, Dresden
Galerie Horschik & Schultz, Dresden
Druckgrafik Biennale, Venedig
Lancester Gallery, Coventry (GB)
1999 art Frankfurt/Main
Kunstmarkt, Dresden
Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
Frankfurter Buchmesse
art multiple, Düsseldorf
2000 Düsseldorf - Duisburg - Essen - Brüssel
Kreuzkirche, Dresden
Arte Galerie N, München
Wasserschloß, Großleuthen
Atelierhof, Werenzhain
Schloss, Doberlug
2001 Rosengarten, Saathain 
Schloss Moritzburg, Moritzburg
Artehof Casa de Mais, Valley
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Arbeiten im öffentlichen Besitz 
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Musee 2000, Luxembourg
Sächsische Aufbaubank, Dresden
Kunstfond Sachsen
Regierungspräsidium der Landeshauptstadt Dresden
Kulturamt der Stadt Dresden Landtag, Stuttgart
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Deutscher Akademischer Austauschdienst
Kunstsammlung Bonn
Herbert Art Gallery, Goventry, GB
Kupferstichkabinett, Dresden
Stiftung Kulturfond, Ahrenshoop
Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden
Kulturamt Elbe-Elster

Zur künstlerischen Arbeit

Eröffnungsworte von Jörg Sperling Kustos der Kunstsammlungen Cottbus, zur Ausstellung

"Puzzeles"  - Linolschnitte von C. G. Große
Galerie Sillack, Dresden
vom 20. August bis 1. Oktober 1995

Linolschnitte - da glaubte ich eigentlich zu wissen, was mich hier erwartete. Die Arbeiten der Moderne, von Picasso, über Matisse, dessen unglaublicher Linienschwung, bis zu Kandinskys märchenhaft auf­leuchtenden Szenerien, im Hinterkopf und dazu die Erinnerung an eigene Kunstzirkelversuche an einem Stück Fußbodenbelag - die seltsame Verkehrung von Boden zu Bild hat mich schon als Kind verwundert - mit dem Grabstichel, wie wohl eines der In­strumente heißt.

Doch was war das? Die Blätter von C. G. Große se­hen ganz anders aus, so dass erst das Nachfragen Aufklärung brachte: Ja, Linolschnitte! Entstanden während das Studienaufenthaltes in London. Angefangen hatte alles indirekt dort, wo die Künstlerin vor ihren Malereien stand, die ihr offensichtlich zu leicht von der Hand gegangen waren. Künstlerischer Klärungsbedarf über die Fähigkeiten und Kräfte des eigenen Bild-Vermögens stand an. So war C. G. Große auch deshalb vor über einem Jahr in die britische Metropole übersiedelt, wo sie vom guten Ruf der englischen Drucker nicht allein gehört hatte. Für die Malerin bot die Grafik also im kontrastreichen Gegeneinander die Chance des Durchforstens und Aufhellens der Bildgründe. Allerdings kaum im Sinne simpler Schwarz-Weiß-Malerei.

Umgeben von bester Drucktechnik und ausgerüstet mit den Tipps der Drucker, machte sich C. G. Große auf ihren grafischen Weg. Und doch geschah es, dass ihr mittendrin das Linoleum ausging. Aber wie wir alle wissen, gibt es keinen Zufall und Not macht erfinderisch: Genau an diesem kritischen Punkt entsprang die Idee zum "Puzzle", dem hiesigen Ausstellungstitel. Ein herrlicher Griff zu einem Wort, das im Englischen in der Reihe des Wörterbuches folgendes bedeutet: Rätsel, Geduldspiel, Verwirrung. Und wir alle kennen ja jenes fiebernde Bilderzusammenbauen aus den Organoiden, vorgestanzten Teilen, immer mit der Befürchtung, ob nicht ein paar Stücke fehlen oder zu viel sind gar. All das und noch vieles andere nahm die Grafikerin mit in den Wald der Kombinationsmöglichkeiten. Also auch Spiel der Versatzstücke und Elemente. Was geht zusammen und was nicht? Diese Frage führte, zuende beantwortet logischerweise zur Collage - faktisch im unmerklichen Übergang - und zur Kombination mit Siebdruck, was hier nur mit einem Blatt Andeutung findet.

Doch zurück zum Linolschneiden. Durch verschiedene Behandlung, u.a. dem Verbinden von Tiefdruck- und Hochdrucktechnik, dem Auswischen der Farben, um von der Flächigkeit wegzukommen, bis zum Drucken von der strukturierten Rückseite des Materials, lernt sie den Stoff erst richtig kennen. Mir kommt das vor wie eine regelrechte Neuentdeckung dieser Drucktechnik. Geradeso, wie im kindlichen Spiel, im Ausspielen überhaupt ein Uranfang der Kunst aufzuleuchten scheint.

C. G. Großes Bilder erscheinen für mich mit vergewisserndem Wechsel zwischen Formumänderung und aufdröselndem Hintergrund, zwischen Bildgestalt und Musterbildung, zwischen Härte und Verschwebung. Sie leben aus den Gegensätzlichkeiten, die das Grafische hervorzubringen vermag. Gleichzeitig ist da die Sprache des Organischen: webendes Zu- und Ineinander, Gebilde wuchermild, Gewächs aus den Liniengrabungen, Wurzelballen oder lianenhaft, dann wieder im leichten Wiegen der Gräser, weißgeprägt mit sanftem Randgrat. 0rnament und Figur im Verwachsensein und Durchwachsen der Flächigkeit. Das alles Linolschnitte !

Ein Blatt mit dem Titel "Chronos' Cave": die drei Bildgestalten herrlich ungelenk und zugleich dyna­misch in ihren bildverstrebenden Ausdehnungen. Fußend auf der Bildunterkante, wie in uralter Gewissheit. Und doch begeben sie sich in den flie­ßenden Übergang. Ganz anders dazu die Arbeit "English fields and hedges". Im montierten Nebeneinander von Prägelinie und Abdruck wachsen die Linienbündel beinahe unbemerkt über die Schnittkanten hinweg. Das Weiterweben und Aufheben auch als ein Positiv­Negativ-Effekt. Die Bildfläche zeigt sich gründlich besetzt. Im Vollfeld der Struktur und ornamentaler Verschlingung: schaut da nicht jener "horror vacui", die Angst vor der leeren Fläche etwas heraus? Und wieder ganz andersartig im Druck "seaside". Ein stiller, offener Moment - Ausblick. Gerahmt, vielleicht als baumüberranktes Fenster, rechts hereinflügelnd ein außerirdisches Wesen. Das Bild als romantisches Gefäß mit herrlichem Blauton.

Also die Künstlerin auf der Suche nach Festigkeit und Klarheit im Bildspiel mit Ornament und Figur, mit Fläche und Tiefe, jenseits der Malerei. Da sind mehr als Ausprobierblätter entstanden, mehr als ein kunstvolles Grafikspiel. Denn das Bild als Intensitätsort bedeutet ein Vergewissern über die Welt, deren Zudringlichkeit im Chaos und deren Entschwinden in der langgezogenen Horizontallinie. So auch hier. In der Galerie Sillack, Dresden-Klotzsche. Unaufdringliche Bilder, die nicht nach Außen agieren müssen, sondern den Gang nach Innen antreten, vielleicht auch ein Stück vor dem Hintergrund ganz persönlicher Dinge. Lebensfiguration der Künstlerin.

Jörg Sperling, Dresden, am 20. August 1995

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