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Hans Nadler (1879-1958)
Hans Nadler wurde am 14. Januar 1879 in Elsterwerda als Sohn des
Seminarlehrers Friedrich Nadler geboren. Er verstarb am 24. 2. 1958
in Gröden bei EIsterwerda. Der Vater, Friedrich Nadler, war ein
Mann voller Tatkraft und exakter wissenschaftlicher Bildung.
Generationen von Lehrern und werdenden Lehrern war sein
"Ratgeber für Volksschulen" (1888) ein wichtiges Lehr-
und Nachschlagewerk. Er schrieb über das "Sprachgut der
Heimat", verfasste eine Erläuterung und Würdigung deutscher
"Dichtungen" und "Das Wichtigste aus der
Poetik". Mit 22 Jahren malte Hans Nadler seinen Vater, ein
Porträt, das zwar noch im Stil seines großen Lehrers Gotthardt
Kuehl angelegt ist, in ihm aber schon den Porträtisten eigener Prägung
erkennen lässt. Seine Schulbildung erhielt er in Elsterwerda und
Goslar.
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Dass er einmal Maler werden wollte, wird ihm in seinem Elternhaus
kaum Schwierigkeiten bereitet haben. Er erhielt seine Ausbildung an
der Akademie in Dresden, war Schüler des Landschaftsmalers Bantzer
und Meisterschüler bei Professor Gotthardt Kuehl, dessen unübertreffliche
Ausstellungen um die Jahrhundertwende in ganz Deutschland
Bewunderung und Nachahmung auslösten. Studienreisen führten ihn
nach Holland und Frankreich. Eine Zeitlang arbeitete er in München,
wo solche Maler wie Thoma, Trübner, Leibl, Liebermann und Uhde
wirkten. Sicherlich haben ihn diese Männer beeindruckt. Hans Nadler
war Pleinairist, malte auch impressionistisch. Sein Streben war
Naturwahrheit und künstlerische Unmittelbarkeit. Ohne Zweifel aber
hat er auch den Expressionisten nahegestanden, wie das solche Bilder
wie "Diesbar" u. a. erkennen lassen. Aber er war weder
eigentlicher Impressionist noch Expressionist. Sehr früh hatte er
seinen eigenen Stil geprägt. In Dresden wirkte er im
"Akademischen Rat", dem seit 1915 auch Robert Sterl, der
das Meisteratelier des verstorbenen Gotthardt Kuehl übernommen
hatte, angehörte. Seit der Gründung war Nadler "Mitglied der
Dresdener Künstlervereinigung". Für seine Verdienste als
Maler und als Förderer der Kunst wurde ihm 1918 vom sächsischen König
August der Titel Professor verliehen. Die Bestallungsurkunde
allerdings erhielt er erst nach der Novemberrevolution von der neuen
sächsischen Regierung. Trotz vieler Ehrungen und Anerkennungen ist
Hans Nadler immer ein bescheidener, zurückhaltender Mensch
geblieben und gewann dadurch die Wertschätzung derer, die mit ihm
in persönliche Beziehung kamen. Seinen Malerkollegen war er ein
guter Kamerad; sie holten gern seinen Rat ein.
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Ein Höhepunkt in seinem Schaffen war die große Kunstausstellung
von 1912 in Dresden. Große Ölgemälde und eine Anzahl von
Radierungen konnte er dort ausstellen. Für den Wartesaal des
Hauptbahnhofes in Dresden hat er ein großes Bild gemalt, das die
Industriestadt Freital darstellt. Arbeiten von ihm befinden sich in
den Kunstsammlungen von Dresden, Leipzig, Stuttgart, Bad Liebenwerda
und Lugano.
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Gröden | Elsterwerda | Dresden
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Sein persönliches Leben bewegte sich in dem Dreieck, das von den
Orten Gröden, hier hatte er sich sein Heim und Atelier geschaffen,
Elsterwerda und Dresden bestimmt war. In Elsterwerda unterrichtete
er montags und dienstags als Kunsterzieher die Schüler an der
damaligen Oberrealschule "Elsterschloss". Er redete nicht
viel, korrigierte dort, wo der gute Ansatz zu spüren war und
vermittelte das Wesen künstlerischen Sehens, Erlebens und
Gestaltens. Dresden, diese Stadt ist ihm immer künstlerische Heimat
geblieben. Hier trifft er sich mit Gleichgesinnten am Stammtisch, an
dem solche Maler wie Otto Gussmann und Paul Rößler teilnehmen,
zuweilen war hier auch der Intendant des Staatstheaters, Graf
Seebach, anzutreffen.
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Der Malerpoet
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Die künstlerische Entwicklung Hans Nadlers war nicht ohne
Wandlungen. Seine ersten Arbeiten widerspiegelten den Einfluss
seiner Lehrer. Sehr bald aber entschied es sich, dass er kein reiner
Landschaftsmaler war. Der Mensch in der Natur wurde das Thema vieler
seiner Werke. Zwei große Begabungen weist des Künstlers Werk neben
anderen, von denen noch zu sprechen sein wird, aus. Er ist
Landschafter und Porträtist. Es ist erstaunlich, wie er sich in
seine Landschaften hineinversetzte. Er malte das Riesengebirge, die
Elblandschaften, die See. Er wurde zum Entdecker der
Schradenlandschaft, deren Beziehungen zum arbeitenden Menschen, zum
Tier ihn immer wieder reizten. Unvergleichlich verstand er es, das
Spezifische der Landschaft zu erfassen.
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Trotz der Herbheit seines Stils geht von seinen Bildern ein inniges
Gefühl aus. Joachim Uhlitzsch hat Hans Nadler den
"Malerpoeten" genannt. Erinnern wir uns in diesem
Zusammenhang an die "Schradenlandschaft bei Nacht" oder an
die "Brücke bei Frauenhain mit Regenbogen". Hermann
Hesses Gedicht "Herbst" drückt wohl am besten den
Stimmungsgehalt vieler seiner Bilder aus. Leider hat unser Künstler
nie ein Selbstporträt gemalt. Die Selbstdarstellung war ihm
wesensfremd. Biblische Gestalten sind mit einer Tiefe erfasst, die
nur durch das Eindringen in menschliches Fühlen und Denken möglich
wurden. Menschliches Leid ergriff ihn, und er setzte es z. B. um in
seinen Bildern "Trauernde Frauen" und "Begräbnis".
Das Leben und Sterben Christi wird von ihm immer wieder dargestellt.
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Heute stehen wir bewundernd vor dem Porträt der Schauspielerin Else
Heims (1878-1958) der ersten Frau Max Reinhardts. Lebensgroß, mit
unwiderstehlichem Reiz blickt uns diese Frau an, lebendig geblieben
durch einen großen Künstler. Sie hatte einmal am besten das
Reinhardtsche Theaterideal verkörpert. Pelzvermummte Gestalten, die
1930 in Elsterwerda und Dresden auf einem weiteren Gemälde zu sehen
waren, erinnerten an den strengen Winter des Vorjahres. Die Härte
des Frostes konnte nicht besser auf der Leinwand
"konserviert" werden. In den Jahren nach dem ersten
Weltkrieg schuf Nadler eine Anzahl guter, vielbeachteter Porträts,
darunter auch das des Begründers der "Schwarzen Elster"
(Heimatbeilage zum Liebenwerdaer Kreisblatt), Curt Ziehlke.
Zahlreiche Kohlezeichnungen, auch Kinderköpfe, sprechen für das
Schaffen eines Menschen, dem seine Kunst sehr viel bedeutete.
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Das grafische Werk
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Betrachten wir sein grafisches Werk, so fallen zunächst die
Handzeichnungen auf. Zumeist sind das Entwürfe für größere Werke
baugebundener Kunst. Bewundernd blicken wir heute auf die Blätter,
mit denen er den arbeitenden Menschen abbildete. Zahlreich sind
seine Radierungen, Holzschnitte, Lithographien, oft zu Zyklen
zusammengefasst, mit denen er seine Zeit wiedergibt. Wir sehen u. a.
Blätter mit Darstellungen des bäuerlichen Lebens, Windmühlen
unserer Heimat, die "Kurrendeknaben" mit ihren Umhängen
und Zylindern, tanzende Mädchen, so dass uns eine Zeit bewusst
gemacht wird, die längst vorbei ist. In den Grafiken wird uns eine
Künstlerpersönlichkeit offenbart, die Menschen liebte, die Härte
der Arbeit erfasste und auch fähig war, das kleine Geschehen
darzustellen. Erschütternd sind seine Blätter, in denen er
menschliches Leid zum Ausdruck brachte. Hans Nadler wird oft als der
herbe Künstler vorgestellt, dabei Finden wir in seinen Bildern und
Grafiken oft einen stillen Humor, der dem aufgeht, der seine Bilder
in ihrer Vielfalt zu erfassen versteht.
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Baugebundene Kunst
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Neue Wege beschritt er bei baugebundenen Kunstwerken. So wurde er
zum Wiedererwecker der Sgraffitotechnik. Pinsel und Farbstift
vertauschte er mit dem Kratzeisen, das die Linien der Zeichnungen
aus den in mehrfachen Schichten auf die Wandflächen aufgelegten
Putz herausgrub. Ein besonders schönes Beispiel dieser Kunst finden
wir im Tauf- und Trauungssaal der Kirche DresdenTrachau.
Architektur und Malerei sind hier zu vollendeter Harmonie vereint.
Derartige Sgraffitoarbeiten sind auch im Eingangsraum der Kirche in
Elsterwerda, in Pirna und in der Kirche zu Crimmitschau zu sehen.
Leider ist u. a. sein großes Bild "Einzug Christi in
Jerusalem" in der Andreaskirche von Dresden ebenfalls ein Opfer
des Krieges geworden. Vielfältig ist sein Werk, und nur wenige
wissen, dass Nadler auch plastische Arbeiten gestaltet hat, wie das
die "Zwei Mädchen" und die "Frauenfigur"
ausweisen.
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Betritt man heute das Atelier Nadlers, so grüßen von den Wänden
zahlreiche Gemälde aus den verschiedensten Epochen seines künstlerischen
Werdens. Da sehen wir das "Bild des Vaters", die "Schradenlandschaft
bei Nacht", und lebensgroß lächelt Else Heims zu uns
hernieder. Der strenge Winter von 1929 wirkt noch ebenso, wie vor
mehr als 50 Jahren. Wir betrachten Kartons, Studien und sehen auch
noch eine Probekachel zu den Volksliedmotiven aus der ehemaligen Bärenschenke.
Es ist etwas staubig in dem großen Raum, und die Fensterläden sind
nicht mehr zu öffnen. Hier aber hat ein bedeutender Künstler Großes
gedacht und geschaffen.
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von Eberhard Matthes
Ausführliche Texte
zu Lebenswerk und Wirken sowie Abbildungen von Gemälden, Grafiken
und Baugebundener Kunst Hans Nadlers wurden 1999 im Katalog zur
Werkausstellung anlässlich seines 120. Geburtstages veröffentlicht.
Werkkatalog
"Hans Nadler", 1999, von Andreas Pretzel
Herausgeber: Kulturamt Landkreis Elbe-Elster
ISBN: 3-00-004516-3
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